Gefühle verstehen – bevor gehandelt wird
Ein weiteres Fallbeispiel stellte ganz bewusst die Gefühle der Beteiligten in den Mittelpunkt.
Die Arbeitsgruppen versetzten sich in unterschiedliche Personen hinein und beschäftigten sich mit Fragen wie: Was empfindet das betroffene Kind? Was bewegt andere Beteiligte? Welche Ängste, Unsicherheiten oder sozialen Abhängigkeiten spielen eine Rolle? Und welche Reaktionen können eine Situation verschärfen oder möglicherweise entschärfen?
Gerade dieser Perspektivwechsel war ein wichtiger Bestandteil des Workshops. Denn wirkungsvolles Handeln setzt voraus, nicht nur das sichtbare Verhalten zu betrachten, sondern auch die dahinterliegenden Beziehungen und Dynamiken zu verstehen.
Was können Eltern konkret tun?
Aus den Fallbeispielen heraus entwickelten die Teilnehmenden konkrete Handlungsmöglichkeiten.
Dabei wurden unter anderem das Ernstnehmen und Stärken der betroffenen Kinder, das Sichern und Dokumentieren von Vorfällen, die Einbeziehung von Vertrauenspersonen sowie der Kontakt zu Lehrkräften, Schulsozialarbeit oder weiteren Beratungsstellen diskutiert.
Gleichzeitig spielte die Frage eine wichtige Rolle, wie Eltern reagieren können, ohne eine ohnehin schwierige Situation zusätzlich zu verschärfen. Deutlich wurde: Es braucht besonnenes Handeln, verlässliche Kommunikationswege und vor allem die Bereitschaft aller Beteiligten, Verantwortung zu übernehmen.
Welche Verantwortung trägt Schule?
Der Workshop nahm deshalb nicht nur die Perspektive der Eltern in den Blick. Ebenso intensiv wurde diskutiert, welche Reaktionsmöglichkeiten Schulen haben.
In einem weiteren Fallbeispiel setzten sich die Teilnehmenden unter anderem mit Bloßstellung, Abwertung, möglichen Eskalationen, der Rolle von Lehrkräften und den daraus entstehenden Auswirkungen auf Schülerinnen und Schüler auseinander.
Diskutiert wurden Möglichkeiten wie Gespräche mit Beteiligten, die Einbeziehung der Eltern, gemeinsame Gespräche innerhalb der Klasse sowie pädagogische Maßnahmen zur Aufarbeitung einer Situation.
Dabei zeigte sich erneut, wie wichtig es ist, Hinweise und Wahrnehmungen von Kindern ernst zu nehmen, Situationen sorgfältig zu betrachten und frühzeitig zu reagieren.
Gemeinsam Strategien entwickeln
Am Ende wurden die Erkenntnisse aus den unterschiedlichen Arbeitsgruppen zusammengeführt. Daraus entstand eine Sammlung ganz konkreter „Strategien und Möglichkeiten“.
Genannt wurden beispielsweise:
Solidarität mit Betroffenen zeigen, Kinder ernst nehmen und Haltung zeigen,
verbindliche Regeln für die Klassengemeinschaft entwickeln und auf deren Einhaltung achten,
geeignete Situationen und Räume für Gespräche schaffen,
Rückmeldungen ernst nehmen und Feedbackregeln beachten,
Eltern und Schule in die Kommunikation und Begleitung einbeziehen.
Gerade diese Ergebnisse machen deutlich, worum es dem Kreiselternrat mit der Workshopreihe geht: Nicht erst reagieren, wenn eine Situation bereits vollständig eskaliert ist, sondern sensibilisieren, frühzeitig hinschauen und gemeinsam handlungsfähig werden.
Aus zwei Workshops wird ein gemeinsamer Auftrag
Die beiden Workshopteile bauen damit unmittelbar aufeinander auf.
Der erste Workshop im November 2025 vermittelte die fachlichen Grundlagen: Was ist Mobbing? Wie unterscheidet es sich von einem Konflikt? Welche Formen gibt es? Welche Ursachen und Folgen können damit verbunden sein?
Der zweite Workshop am 18. April 2026 führte diesen Gedanken konsequent weiter: Wie erkennen wir die Dynamik in konkreten Situationen? Wie fühlen sich die Beteiligten? Welche Rolle spielen Eltern, Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Schule? Und vor allem: Welche Möglichkeiten haben wir, tatsächlich zu handeln?
Für den Kreiselternrat Mansfeld-Südharz ist damit klar: Mobbingprävention ist keine Einzelaufgabe. Sie funktioniert nur dort, wo Kinder und Jugendliche, Eltern, Lehrkräfte, Schulsozialarbeit und weitere Beteiligte miteinander statt übereinander sprechen.
Ansprechpartner – damit aus Austausch Unterstützung wird
Ein besonders wichtiges Ergebnis der Workshopreihe ist deshalb die Bildung einer kleinen Gruppe von Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern zum Thema Mobbing.
Diese Gruppe soll die gewonnenen Erkenntnisse über die beiden Workshops hinaus weitertragen und Eltern eine zusätzliche Möglichkeit zur Orientierung und Vernetzung bieten. Sie kann dabei unterstützen, geeignete Ansprechpartner und Hilfsangebote zu finden, Erfahrungen zu bündeln und den Austausch zu fördern.
Dabei ist uns wichtig: Die Ansprechpartnergruppe ersetzt keine professionelle Beratung oder die zuständigen schulischen und fachlichen Stellen. Sie soll vielmehr eine Brücke sein und dazu beitragen, dass Eltern mit ihren Fragen und Unsicherheiten nicht allein bleiben.
Die Kontaktaufnahme geht unkompliziert und anonym über unser Kontaktformular auf dieser Website.
Eindrücke aus dem Workshop
Die Ergebnisse des zweiten Workshops wurden von den Teilnehmenden direkt vor Ort auf großen Arbeitsflächen dokumentiert. Die entstandenen Plakate zeigen eindrucksvoll, wie intensiv die Fallbeispiele diskutiert, Perspektiven gewechselt und gemeinsam Lösungsansätze entwickelt wurden.
Die Bilder und Ergebnisse des Workshops stellen wir auf dieser Seite zur Verfügung. Schaut Euch die entstandenen Arbeiten gern an – sie geben einen unmittelbaren Einblick in die Diskussionen, Gedanken und konkreten Handlungsansätze der Teilnehmenden.
Unterlagen aus dem Workshop